Dorfchronik

„Haben dem Dorf eine Stimme gegeben“

800 Seiten umfassende Ortschronik vorgestellt von den Verfassern
Birgit Baque-Stuppy, Arno Stuppy und Bernhard Heun
– Ergebnis von mehr als 4300 ehrenamtlichen Arbeitsstunden, 726 alten Dokumenten und zahlreichen Zeitzeugen –

Die Chronik ist in fünf Kapital aufgeteilt. Sie widmen sich der Urgeschichte mit Abhandlungen über den weltweit geläufigen geologischen Begriff „Rüssingen-Formation“, der Steinzeit mit der mit 4000 bis 5000 Jahren wohl ältesten Pflugschar der Welt und der ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 773 als „Rossunger Marca“ (in der Rüssinger Gemarkung liegend) Das Herzstück der Chronik lautet „Das alte Rüssingen“. Ihm sind 587 Seiten gewidmet, es endet amüsant mit „Gaunern, Geschichten, Anekdoten und Rezepten aus Oma Marias Küche“.

Aus dem Inhalt unserer Chronik:

Die Chronik besteht aus fünf Kapiteln:
Das erste beschreibt die Rüssinger Urgeschichte. Entstehung der Geologie (Rüssinger Formation), Klima und Naturraum; das „Rüssinger Schar“ – das wohl älteste Pflugschar der Welt (ca. 4 000 – 5 000 Jahre). Funde aus der jüngeren Steinzeit belegen bereits damaligen Siedlungsbau. Eine Keramik mit Verzierungen, die sonst nirgendwo gefunden wurde, bekam deshalb auch den Namen „Rüssinger Typus“ (erwähnt im Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts).

Kapitel 2 beginnt mit der erstmaligen Erwähnung der „Rossunger marca“ im Lorscher Codex am 4. April 773, und damit wird Rüssingen im Jahr 2023 sein 1250-jähriges Bestehen feiern können. Aber schon vor 2000 Jahren betrieben die Römer hier Weinbau und südwestlich von Rüssingen lässt die Aufnahme einer Wärmebildkamera die Grundrisse einer römischen Siedlung vermuten. Aus dem Namen einer fränkischen Sippe (Hross oder Ross) im sechsten Jahrhundert entstand dann der heutige Name Rüssingen. Schwere Verwüstungen verursachten der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) und der pfälzische Erbfolgekrieg (1679 – 1697). Das heutige Gesicht prägen noch immer die alten Bauernhöfe in der Hauptstraße. Der Werdegang von Ortsnamen und Wappen, Entwicklung der Einwohnerzahlen, Aus- und Einwanderungen beschließen dann das zweite Kapitel.

Kapitel 3 beschreibt das kirchliche Werden. Die fränkischen Merowinger brachten bereits im sechsten Jahrhundert das Christentum. Die erste Kirche entstand bereits um Ausführlich schildert die Chronik einen Streit um Glocken und Turm, sowie die Nutzung der im elften Jahrhundert errichteten
Kirche, zwischen Katholiken und Protestanten. Auch die Rüssinger Kirchen bieten historische Überraschungen. So befindet sich ein Rüssinger Taufstein zur Besichtigung heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, während der vorromanische Türsturz vom Südportal im Historischen Museum der Pfalz in Speyer auf seine Besucher wartet. Das darüber befindliche Relief ist wohl eines der ältesten Baudenkmale christlich-germanischer Skulpturen. Eingegangen wird auch auf die ehemalige 1469 errichtete Gedenk- und Wallfahrtskirche „Heiligkreuz“ zu Ehren des Königs Adolf von Nassau.

Im Kapitel 4 geht es um die Schulhäuser und Lehrkräfte. Interessant sind hier Protokolle des Gemeinderates aus dem Schulalltag. Mit der heutigen Zeit hat ein „Auszug aus der Verordnung über die Schulpflicht vom 22. Dezember 1913“ genauso wenig gemein wie ein „Auszug aus dem Polizeistrafgesetzbuch
vom 26. Dezember 1871“. Dank der Entwicklung der Fotografie sind ab 1889 nun auch Klassenfotos von damals zu bewundern. Abschlusszeugnisse der
„Volkshauptschule“ und der „Volksschule“ sind zu sehen und Zeitzeugen erzählen Geschichten aus dem Schulalltag.

Im Kapitel 5 wird über „Das alte Rüssingen“ berichtet. Es ist das letzte und umfangreichste Kapitel, denn wesentlich trugen hier zu die Erinnerungen der ältesten und älteren BürgerInnen von Rüssingen bei. Seit Oktober 2012 traf sich regelmäßig das „Geschichtscafé“. Hier wurden dank der als Zeitzeugen eingeladenen Seniorinnen und Senioren Themen recherchiert und aufgefrischt, Informationen gesammelt, Fotoalben durchforstet und Dokumente gesucht. Auch lustige Anekdoten werden wiedergegeben. Handwerk, Handel und Dienste werden beschrieben, auch Berufe im Dienste der Gemeinde, die heute nicht mehr existieren. In Rüssingen gab es sogar einmal Gasthäuser, Läden, Bäckereien, Metzger, Schneidereien, Schuhmacher, Küfer, Wagner und noch viele mehr. Landwirtschaft und Weinbau haben die Entwicklung bestimmt, die frühe Besiedelung erfolgte dank der guten Bodenqualität. Entstehung der Guts- und Bauernhöfe, deren Bewirtschaftung durch Tagelöhner, Mägde und Knechte wird geschildert. Aufgezählt werden auch die einzelnen Gutsbesitzer, jeweils mit detaillierten Angaben über die Bewirtschaftung. Alle Bürgermeister seit 1849 sind aufgelistet.
Eingegangen wird auch auf Menschen mit Rüssinger Wurzeln, wie beispielsweise Prof. Albert Lauermann. Um 1900 hatten seine Kunstwerkstätten in Detmold Weltruf und beschäftigten mehr als 1000 Menschen. 1910 erschuf er die Figur des Sarotti-Mohrs, der bis heute fast unverändert auf der Sarotti Schokolade abgebildet ist. Dörfliche Feste wie Fastnacht, Stabaus, Kerwe und kirchliche Familienfeiern, wie sie früher abgehalten wurden, befinden sich
ebenfalls in diesem Kapitel. Auch wie das Vereinsleben damals stattfand wird gezeigt. Der Erste und der Zweite Weltkrieg – auch hierzu gibt es über viel Leid zu berichten. Fortschritt kam mit Strom & „Fließend“ Wasser. Hier steht, ab wann Rüssingen unter Strom stand und von einer Wasserleitung versorgt wurde. Wie Rüssingen in Not geratenen Bürgern half und was Unwetter für große Schäden angerichtet hatten, ist ebenfalls erwähnt.
Zum Ausklang gibt’s noch was über Rüssinger Gauner, lustige Begebenheiten, Anekdoten und ein paar Rezepte aus Oma Marias Küche.

Zusammengefasst lässt sich sagen:
Eine spannende und interessante Chronik, liebevoll und detailliert gestaltet ist ihr Inhalt ein wohltuender Kontrast zu TV und Smartphone &Co. Vielleicht auch eine Alternative, an langen Winterabenden sich einmal in die Vergangenheit zurück zu träumen. Und die Träume sind noch (!) zu haben:
Die Rüssinger Dorfchronik gibt es bei Bernd Heun und Fam. Baqué-Stuppy.